Hier könnt ihr ein paar Auszüge aus der Journalistik-Diplomarbeit von Cornelia Graf über das ka:put: nachlesen.

 

Katharina Putschlis Laden, das „ka:put:“, in der Annaberger Straße 24, bildet einen Kontrast zu seiner Umgebung. Die viel befahrene Annaberger Straße in der Chemnitzer Innenstadt wirkt trist und grau. Der Verkehr brummt, die Straßenbahn rattert vorbei. Es ist laut. Vor dem Gebäude der ehemaligen „Kammer der Technik“ leuchten rote Buchstaben auf einem weißen Schild: „ka:put: lovely streetwear“.

Der Blick ins Schaufenster ist einladend. An den Wänden hängen Bilderrahmen in allen Farben und Formen, ein weißes Einhorn, ein dunkelbrauner Büffelkopf aus Plüsch. Links steht ein grünes 60er Jahre Sofa, darüber an der Wand ein Geweih, es passt gut zusammen. Direkt gegenüber eine Kommode, an jeder Schublade strahlt der Knauf in einer anderen Farbe.

Katharina Putschli legt ein schwarzes T-Shirt in die Transferpresse. Konzentriert schiebt sie die kleine Folie auf dem T-Shirt hin und her, bis sie richtig sitzt. Ihre weißblonden, schulterlangen Haare fallen ihr ins Gesicht. Die Presse knattert, sonst ist es still. Katharina braucht keine Musik, wenn sie arbeitet. Sie drückt den Hebel der Presse, die Maschine fixiert mit Hitze und Druck das Motiv auf dem Stoff. Es dauert einen Moment, sie lässt wieder los und sieht sich das fertige T-Shirt an. […]

Zurück am Arbeitstisch spannt sie ein grünes T-Shirt in die Siebdruckmaschine. Auf dem grünen Stoff entstehen weiße Wolken, aus ihnen regnen rote Regenschirme. Es sei eines ihrer ersten Motive, eins der wenigen, das sich bis heute gehalten habe. Das Drucken mit den beiden Maschinen brachte sie sich selbst bei. Der Siebdruck sei aufwendig, halte dafür länger als der Foliendruck. Jeder Handgriff sitzt. Katharina Putschli arbeitet schnell, so schnell, wie sie spricht. Sie lacht häufig, ist ein offener, herzlicher Mensch. „Ich habe schon immer gern mit den Händen gearbeitet“ sagt sie.

Nach der Schule wollte sie ein kulturelles Jahr im „soziokulturellen Zentrum Kraftwerke.V.“ in Chemnitz beginnen. Jedoch gab es dort keine Aufgaben für Katharina. Alternativ musste sie schnell eine Lehrstelle wählen. Sie las die Liste der noch freien Ausbildungsstellen, entschied sich für Floristin. „Beim Vorstellungsgespräch hab ich gesagt, dass ich schon immer Floristin werden wollte und hatte die Lehrstelle.“ [...]

Katharina übernahm nach ihrer Ausbildung ihren ersten Blumenladen auf der Heinrich-Schütz-Straße in Chemnitz. [...]

Von einem Kunden bekam sie eine alte Nähmaschine der Firma Veritas geschenkt. Katharina entdeckte ihre Leidenschaft fürs Nähen. Zuerst nähte sie aus Duschvorhängen Übertöpfe für Grünpflanzen.

Heute beschreibt sie ihre Nähanfänge als „learning by doing, katastrophal, mit schiefen Nähten, manchmal hat gar nichts gepasst“. Außerdem bemalte sie T-Shirts und nähte Taschen, ebenfalls aus Duschvorhängen. Diese Stücke legte sie zwischen die Blumen und verkaufte sie. Unkompliziert und spontan gründete sie so ihr eigenes Label, das „ka:put:“, abgeleitet von Katharina Putschli. Sie spricht es kurz, es hört sich an wie „kaputt“.

Am Anfang habe ich Worte wie „Pustekuchen“ oder „Katzenwäsche“ bebildert“, sagt Katharina. Im Januar 2009 gründet sie einen Onlineshop bei „dawanda“ und verkauft zusätzlich Kleidung im Internet. [...]

Katharina Putschli beschreibt ihre Produkte als „lovely Streetwear“. „Lieblingsstücke, bequeme Kleidung mit Liebe gemacht, nicht das, was alle tragen, etwas Besonderes“. Ihre Zielgruppe sind vorwiegend junge Menschen. Wer einmal etwas gekauft hat, kommt häufig wieder. Es gibt inzwischen einen wachsenden Kreis von Stammkunden.

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© 2014 by Cornelia Graf